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Donnerstag, den 22.07.10
In der Schweiz und anderen europäischen Ländern gibt es hohe Wachstumszahlen. In Deutschland tun sich noch viele Konsumentinnen und Konsumenten schwer, mit der Vorstellung Lebensmittel über das Internet einzukaufen. Diese mentalen Hürden werden aber fallen. Die technischen Kinderkrankheiten und gesellschaftlichen Hürden, die es vor zehn Jahren noch gab, sind gelöst und erodieren. Das wissen auch einige große Player und springen jetzt auf den Zug.
Immer mehr Produkte kaufen wir online. Den Spitzenplatz in Deutschland belegen Bücher. Die Silbermedaille bekommen Kleidung, Schuhe und Accessoires. Den dritten Platz belegen Reisen und Hotelreservierungen sowie Videos, Musik und Spiele. Der Trend steigt und inzwischen gibt es eine unübersehbare Anzahl von Kaufplattformen. Bei denen kann man oft nicht nur kaufen, sondern auch bewerten oder vergleichen. Das ist ein gutes Zeichen: Der Kunde ist selbstbewusster geworden.

Nur der Online-Einkauf von Lebensmitteln harzt noch. Warum? Werfen wir einen Blick in die Schweiz. Dort ist, im Gegensatz zu Deutschland, der Erwerb von Lebensmittel im World Wide Web höher, da die vorhandenen Online-Shops an starke und große Einzelhandelsunternehmen wie Migros oder Coop gekoppelt sind. Ähnlich liegt der Fall in Großbritannien. Auch dort sind früh große Ketten eingestiegen.
Trotz steigender Beliebtheit ist der Verkauf von Lebensmitteln über das Internet aber auch in der Schweiz noch Nischengeschäft. Allerdings ist die Kundenstruktur im Online-Handel für die Großverteiler attraktiv. Um das zu verdeutlichen, sollen an dieser Stelle einige Zahlen sprechen, auch wenn das für eine Kolumne unüblich ist. Bei LeShop.ch ist die durchschnittliche Einkaufssumme wesentlich höher als beim klassischen Kunden und 90 Prozent des Umsatzes werden mit nur 43'000 Stammkunden erzielt, die mindestens einmal pro Monat bei LeShop.ch einen Großeinkauf tätigen. Dass das virtuelle Einkaufen Wachstumspotenzial besitzt, zeigt auch die Zahl der Neukunden bei LeShop.ch. 2009 haben 39'400 Personen zum ersten Mal übers Internet bei der Migros-Tochter eingekauft. Diese Argumente haben unternehmerisch gesehen Potenzial. Und es können noch mehr aufgezählt werden. Die Migros-Tochter konnte den Umsatz im ersten Halbjahr dieses Jahres um 15 Prozent beziehungsweise um 10 Millionen auf 75,4 Millionen Franken steigern. Mitverantwortlich für den Erfolg ist auch das mobile Shopping über den Leshop-App via iPhone. Seit Januar ist es bereits über 150'000 Mal heruntergeladen wurde. Mittlerweile liegt der Umsatzanteil des mobil getätigten Bestellvolumens bei vier Prozent, mit stark steigender Tendenz. Da hinken vergleichbare Unternehmen in Deutschland wie Edeka mit 0,5 Prozent gewaltig hinter her.

Viele Kritiker haben aber noch Einwände. Käse, Fleisch und Obst würden die meisten Kunden riechen, direkt sehen und tasten wollen, aber nicht auf dem Schirm per Mausklick einkaufen. Dies ist beispielsweise der Haupteinwand der der Bundesverbände Naturkost Naturwaren (BNN). Vor zehn Jahren sind einige Anläufe, auch mit aus diesem Grund gescheitert. Heute ist das Argument richtig und falsch. Wir alle werden weiter auf Wochenmärkten, im Dorfladen und beim Bioladen um die Ecke emotional und mit allen Sinnen einkaufen wollen. Gleichzeitig wird aber die junge und urbane Bevölkerung zunehmend auch Lebensmittel über das Internet bestellen. Diese Entwicklung ist absehbar. Hier nur ein Beispiel: Es handelt sich um eine erwerbstätige Mutter, deren Mann ebenfalls arbeitet, mit hohem Verdienst, aber auch mit Kindern zu Hause. Sie jongliert auf zwei Welten, hat einen anspruchsvollen Job und will ihre Doppelbelastung minimieren. Immer mehr kauft sie auch Lebensmittel online ein.
Wie schon beim Verdrängungswettbewerb durch Bio-Supermärkte, zeigt sich auch hier, dass kleinere Anbieter klar auf ihre lokalen Vernetzungen und Stärken setzen müssen und die auch kommunizieren sollten. Sonst verschwinden sie vom Markt. Lebensmittel über das Internet zu ordern, kann eine sinnvolle und spannende Ergänzung sein.
www.leshop.ch